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„Scream“ und Kevin Williamson |
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Geschrieben von: funfairist
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Donnerstag, 10. Juni 2010 um 13:17 Uhr |
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„Scream“ und Kevin Williamson
Da, wie schon erwähnt, die 80er Jahre ansonsten nicht zu der einfallsreichsten Zeit des Teenhorrorfilmes zählen, verlieren sie wieder gegen Ende des Jahrzehnts an Bedeutung, frönen ihr Vorhandensein nur in den Videoregalen und versagen meist auf der Leinwand. Dennoch entsteht gerade wegen dem steigenden Videoverleih in diesen Jahren die meiste Zahl von Produktionen. Und es sollte dann immerhin noch ein gutes Jahrzehnt dauern, bis sich dies schlagartig änderte.
Bis in die späten 90er Jahre lebte der Teenhorrorfilm vor sich hin. In den Kinos gab es keinen nennenswerten Erfolg, die großen Studios lehnten die Skripte größtenteils ab. Gedrehte Filme wurden meist nur zum Verleih auf Video veröffentlicht. Das änderte sich aber schlagartig, als der am 14.03.1965 geborene Kinofanatiker und „Halloween“ - Fan Kevin Williamson, damals ein erfolgloser Schauspieler und unglücklicher Drehbuchschreiber, auf das Haus eines guten Freundes aufpasste.
Im Fernsehen sah er eine Dokumentation über einen Mord an Teenagern, und erschrak, als er feststellte, dass ein Küchenfenster offen war, bei dem er sich sicher war, es geschlossen zu haben. Mit einem Messer bewaffnet durchforstete er das Haus nach dem Eindringling. Gefunden hat er zwar niemand, aber da er noch voller Angst war, rief er einen Freund an. Sie kamen ins Scherzen, zitierten verschiedene Horrorfilme und irgendwann war der Punkt bei Kevin Williamson erreicht, an dem es 'klick' machte, und sich die Geschichte von „Scream“ in seinem Kopf manifestierte, die damals noch den Name „Scary Movie“ trug. Doch erst nachdem er sich über ein Wochenende verbarrikadierte und dort Tag und Nacht am Drehbuch gearbeitet hatte, war es fertig! (So erzählt Kevin Williamson die Geschichte)
Trotz des guten Drehbuchs, gab es anfangs von Seiten der großen Studios nur ein eindeutiges 'Nein', da ihrer Meinung nach kein seriöses Studio zur Zeit mit Horrorfilmen zu tun haben will. Doch Williamson hatte schlussendlich doch noch Glück. Über eine Bekannte kam das Buch schließlich zu Bob Weinstein, dem Chef der Miramax - Studios (einer Tochter des Disney - Konzerns), der vor kurzem erst die Filmfirma Dimension Films gegründet hatte.
Nach längerem Hin und Her wurde Wes Craven als Regisseur angeheuert, und nach mehreren Treffen der beiden wurde der Film unter dem Namen „Scream“ gedreht. Keiner ahnte, welchen Erfolg der Film haben würde. Das Studio ging davon aus, dass die Kosten gerade einmal eingespielt werden würden, doch ein Einspielergebnis von über 100 Millionen Dollar war niemals erwartet. Der Film schlug ein wie eine Bombe, avancierte damals zum erfolgreichsten Horrorfilm aller Zeiten, MTV krönte ihn zum Film des Jahres 1996, und Kevin Williamson wurde mit gerade 31 Jahren über Nacht zu einem der heiß begehrtesten Drehbuchschreiber Hollywoods. „Scream“ schaffte das, was „Halloween“ in den 70er Jahren und „Nightmare on ElmStreet“ in den 80er Jahren gelangte, eine Neudefinition des Genres.
Der Film fügte dem „normalen“ Slasher - Film eine Würze Selbstironie und Satire hinzu. Sich selbst nicht ernst nehmend und voller Anspielungen auf die großen Filme des Genres wurde „Scream“ zum Auslöser einer neuen Welle, getragen unter anderem von Kevin Williamson. Nach seinem Ersterfolg bekam Williamson von Columbia Pictures den Auftrag, ein Drehbuch nach einer Geschichte von Lois Duncan zu verfassen. Im Unterschied zu „Scream“ entstand mit „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ ein Slasher - Film, der auf humoristische Elemente verzichtet und sich wieder auf die Schuld- bzw. Verantwortungsfrage der Jugendlichen besinnt. Mit über 70 Millionen Dollar Einspielergebnis war auch dieser Film ein beachtenswerter Erfolg. Doch das waren noch lange nicht alle Werke, die aus der Feder von Kevin Williamson stammen. Des weiteren war Williamson an den folgenden Filmen beteiligt:
“Rettet Mrs. Tingle“, sein allererstes, damals noch abgelehntes Drehbuch, bei dem er auch selber Regie führte; „Faculty“, „Scream 2“, das sich bewusst den Klischees eines Sequels bedient; „Scream 3“, bei dem er die Idee hatte, aber das Drehbuchschreiben Ehren Kruger überließ und „Halloween - H20“, bei dem Williamson die Grundidee lieferte (und bei dem für den Halloween - Fan selber ein Traum in Erfüllung gegangen ist). Zusammenfassend ist somit zu sagen, dass der Großteil der Erfolge der 90er Jahre in irgendeiner Weise auf das Konto von Kevin Williamson geht. Er belebte das Genre auf ein Neues und löste eine Welle aus, die auch scheinbar in unmittelbarer Zeit nicht abbrechen wird.
Das Ende der 90er Jahre lieferte eine Welle von mehr oder weniger guten Filmen, á la „Düstere Legenden“, „Dich kriegen wir auch noch“, „Der Hexenclub“ usw. Einen weiteren Höhepunkt erlebte das Genre durch den innovativen Film „The Blair Witch Project“, der ganz anders als der übliche Slasher Film daherkam und „Scream“ vom Thron des erfolgreichsten Horrorfilmes stieß. Durch solche Überraschungserfolge wird das Genre wahrscheinlich niemals sterben. Wie man sieht, hat jedes Jahrzehnt mindestens einen Film, der dem Ganzen einen neuen Schub verleiht. Es wird immer wieder jemanden geben, der dem Ganzen einen neuen Pepp verleihen kann und somit wird auch die Geschichte des Teenhorrorfilms niemals enden, was selbstverständlich auch zu hoffen ist! |
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Geschrieben von: funfairist
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Donnerstag, 10. Juni 2010 um 13:27 Uhr |
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Boogeyman
Wer hat Angst vor'm Schwarzen Mann? Niemand Und wenn er aber kommt? Dann laufen wir davon?
Dieses Fangspiel lernt uns schon früh mit dem Bösen umzugehen. Man lernt, wenn der Schwarze Mann, der Boogeyman, der Maniac on the loose (oder wie immer man ihn nennen mag), kommt wegzulaufen. Der Boogeyman ist kein reales Wesen in unserem Sinne, sondern mehr wie Sascha Westphal und Christian Lukas eindeutig anhand des bekanntesten Boogeymans Michael Myers zeigen:
Michael Myers (ist) tatsächlich der 'Schwarze Mann', aber nicht als Inkarnation des Bösen, sondern als Inkarnation aller unserer unbewussten Ängste. (Westphal, Lukas S. 326f)
Somit muss im Horrorgenre stets der Boogeyman nicht als real existierendes Wesen betrachtet werden, sondern als eine Art übernatürliches Etwas, das aus der Fantasie bzw. der Ängste der einzelnen Personen entsteht. Das hat zur Folge, dass man den Boogeyman nicht einfach durch Messer, Pistolen oder sonstiges töten kann, sondern erst durch Konfrontation mit seinen eigenen Ängsten bzw. durch Akzeptanz, dass der Boogeyman ein Teil von einem ist. Hierbei sei eine Szene aus Halloween H20 - 20 Jahre später erwähnt, in der die Lehrerin Laurie Strode die Schüler fragt, wann sich Frankenstein seinem Monster entgegenstellen kann. Eine Schülerin gibt zur Antwort, dass er es erst kann, nachdem er akzeptiert, dass das Monster ein Teil von ihm ist. In diesem Moment erkennt Laurie die Problematik mit Michael und erst durch diese Erkenntnis ist sie bereit, nicht von ihm davon zu laufen, sondern sich im entgegenzustellen und gegen ihn zu kämpfen.
Der Boogeyman ist ebenso immer in der Menschengeschichte präsent:
Es gibt das Böse seit ewigen Zeiten, und die Geschichtenerzähler haben ihm über die Jahrhunderte hinweg immer wieder verschiedene Namen gegeben. (Wes Craven)
Weiterhin ist der Boogeyman in jeder Kultur existent, jedoch nimmt er stets andere Formen an. Auch daraus lässt sich erkennen, dass man den Boogeyman nicht einfach zerstören kann, da er ein fester Teil von einem ist. |
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Geschrieben von: funfairist
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Donnerstag, 10. Juni 2010 um 13:26 Uhr |
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Coming of Age
Ich denke, die Story [Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast] dreht sich um eines der Grundthemen des menschlichen Lebens. Für die Vier ist jeder Tag eine große Party, bis dieser Unfall plötzlich alles ändert. Da müssen sie entdecken, dass man auch die Konsequenzen seines Handelns tragen muss. Im Film wendet sich nach diesem einen Moment für die Vier alles zum Schlechten. Ich glaube auch, dass sie meisten in diesem Alter gar nicht begreifen, dass ein einziger Augenblick ihr ganzes Leben aus den Fugen bringen kann.
Diese Aussage des Produzenten von Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast, Erik Feig, spiegelt die Thematik des Coming - Of - Age hervorragend wieder. Coming - Of - Age bezeichnet den Schritt eines Jugendlichen zum Erwachsenwerden, zum Moment der Verantwortung, zur Realisierung seiner Taten, deren Konsequenzen, und seiner Schuld. Im Fall von Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast hat das Feig explizit erklärt, für die Jugendlichen war jeder Tag eine Party, das Leben war leicht zu nehmen. Aber irgendwann kommt der Tag, an dem ein einziger Augenblick, ihr ganzen Leben aus den Fugen bringen kann. Exakt diesen Moment bezeichnet man als Coming - Of - Age. Man wird in eine Welt gelassen, in der Träume nicht unbedingt realisierbar sind, in der einem das Geld der Eltern nicht immer helfen kann, sondern in der man auf sich selbst gestellt ist und für sich und seine Taten die Verantwortung zu tragen hat.
Weitere Beispiele für Coming - Of - Age Filme sind Prom Night oder Graduation Day. In allen Fällen wird symbolisch ein für die Jugendlichen ganz besonderer Tag hergenommen, zum einen der Abschlussball (die Prom Night), zum anderen der Abschlusstag (der Graduation Day). In allen Fällen haben sich die Jugendlichen etwas zu Schulden kommen lassen, wofür sie zwar verantwortlich sind, aber die daraus folgenden Konsequenzen nicht gezogen haben. Wenn sie nun Erwachsen werden, das im allgemeinen im Film mit dem Abschluss der Schule einhergeht, müssen sie sich nun mit ihrer Schuld auseinandersetzen und verantworten.
Das macht meiner Ansicht nach auch die Qualität von Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast aus, der diese Idee nach einem Jahrzehnt wieder aufgreift und die Schuld bei den Teenagern sucht. Nahezu während den gesamten 80er und 90er Jahren bestimmten äußere Einflüsse die Ereignisse. Der Killer war sozusagen außerhalb der Gruppe (z.B. Nightmare - Mörderische Träume, bei dem die Kinder für die Taten der Eltern büssen müssen, oder auch Scream, in dem Sidney für die Taten ihrer Mutter getötet werden soll). Mit der Geschichte von Lois Ducan bzw. dem Drehbuch von Kevin Williamson ist der Killer sozusagen wieder innerhalb der Gruppe. Erst durch ihren Fehltritt kommt es zu den Morden, erst durch ihre Schuld geschehen die Ereignisse.
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Geschrieben von: funfairist
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Donnerstag, 10. Juni 2010 um 13:25 Uhr |
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Das 10 Negerlein Prinzip
Das Zehn - Negerlein - Prinzip ist ziemlich einfach zu erklären. Benannt nach dem bekannten Lied bezeichnet es im Horrorgenre das systematische Töten von Menschen. Obwohl eigentlich jeder Horrorfilm nach diesem Prinzip vorgeht, prägten Filme á la Freitag, der 13. diesen Begriff. Diese Filme zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie nur das ZNP als Thema haben, d.h. man findet daneben nahezu keine wahre Intention oder Interpretationsmöglichkeiten. Es geht vielmehr darum, die vielen Protagonisten zu dezimieren. Die Rahmenhandlung dabei variiert zwar zwischen den Filmen, ist aber eigentlich meist schlecht inszeniert bzw. für den Film eigentlich uninteressant.
Neben Freitag, der 13. kann man nahezu jeden Film der 80er Jahre heranziehen, exemplarisch seien hier Die Horrorparty, Das Camp des Grauens, Die Killerparty und Bloody Pom Poms genannt. |
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Geschrieben von: funfairist
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Donnerstag, 10. Juni 2010 um 13:24 Uhr |
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Die 80er
Der Teenhorrorfilm der 80er Jahre stand unter zwei großen Aspekten. Zum einen wuchs die Anzahl der Produktionen ab 1979/1980 nach der Wiederentdeckung des Genres durch „Halloween“ enorm, zum anderen, was Punkt eins auch unterstützte, war das Aufkommen des Video - Systems. Ähnlich zum Siegeszug des Fernsehers in den 50er Jahren, stand nun eine neue Revolution vor der Tür. Mit dem Einzug eines Videogeräts verlagerten sich viele Filme nun vollends darauf, für den Videoverleih zu filmen, und nicht für das Kino zu produzieren. Das hatte den Vorteil, dass nun vor allem auch kleine Produktionen einen Durchbruch erlangen konnten, die sonst nicht auf die Leinwand gekommen wären.
Ein weiteres Merkmal der 80er Jahre waren vor allen die Fixierung auf Fortsetzungen. Von jedem noch so einigermaßen erfolgreichen Film wurde ein Sequel gedreht, eine Trilogie geschaffen oder eine nicht enden wollende Reihe. Die drei großen Reihen sind wohl eindeutig die „Halloween“ - Reihe, die „Nightmar“" - Reihe und die „Freitag, der 13.“ - Reihe. Wurde mal ein neuer Film gedreht, so besticht dieser nicht durch Innovativität, sondern nur durch eine Variation des bewährten Stalk'n'Slasher Movie á la „Freitag, der 13.“ oder eben „Halloween“ - als Beispiel seien hier „Slumber Party Massacre“ oder „Die Horrorparty“ genannt. Bekannte und bewährte Motive, wie etwa Sex, Drogen und Party, werden durchgekaut, variiert und differenziert.
Gelungene Ausnahmen sind dabei Paul Lynchs „Prom Night“, der sich nicht nur auf die Verfolgung und das Töten von Jugendlichen spezialisiert, sondern ein ganzes Lebensgefühl der Disco - Ära mit einbezieht, und Tobe Hoopers „Das Kabinett des Schreckens“, eine kleine Hommage an die Geisterbahn auf einem Rummelplatz.
Davon abgesehen trifft ein Zitat von Hans Schifferle die Sache ziemliche genau: „Reine Horrorfilme hören eigentlich nie auf. Happy Endings sind bestenfalls Stationen. Der Schrecken geht weiter. [...]. Deshalb ist das Sequel auch hauptsächlich eine Erfindung des Horrorfilms ([...]). Reine Horrorfilme (und Sexfilme) sind Filme der Sehnsucht, deshalb gibt es kein Ende. In der Un-Endlichkeit (Variation und Wiederholung) ihrer Bilder kann man sich seine eigene Geschichte spinnen. Dass der Horrorfilm immer wieder tot gesagt wird, passt übrigens gut zum Genre. Er ist ein ganz und gar munterer Untoter.“ (Westphal, Lukas S.342)
Diese prophetische Aussage von Schifferle stammt aus seinem 1994 erschienenen Buch „Die 100 besten Horror – Filme“. Es dauerte aber noch gut zwei Jahre, bis mit „Scream“ die Untoten wieder aus ihren Gräber kamen. |
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